Pubertät & Ablösung
Es ist selten der eine große Streit, der Eltern und ihre fast erwachsenen Kinder voneinander entfernt.
Viel häufiger sind es kleine Momente: ein Satz, der anders gemeint war, ein Blick, der falsch verstanden wurde, ein Rückzug, auf den der nächste folgt. Irgendwann sprechen beide zwar noch miteinander, erreichen einander aber nicht mehr. Viele Eltern, die zu mir in die Praxis kommen, beschreiben genau diesen Zustand. Und fast alle stellen dieselbe Frage: Ist das noch normal?
Warum sich Jugendliche von ihren Eltern entfernen
Die Ablösung vom Elternhaus gehört zu einer gesunden Entwicklung. Jugendliche und junge Erwachsene stellen vieles infrage, suchen einen eigenen Standpunkt und grenzen sich ab. Sie müssen erleben dürfen, dass sie ihren Weg selbst finden. Das richtet sich nicht gegen die Eltern, auch wenn es sich oft so anfühlt. Es ist ein notwendiger Entwicklungsschritt.
Für Eltern ist diese Phase trotzdem eine Zumutung. Das Kind, das früher alles erzählt hat, gibt heute einsilbige Antworten. Gemeinsame Abende werden seltener, die Zimmertür bleibt öfter zu. Wer das persönlich nimmt, reagiert verletzt oder mit Druck. Und genau dadurch verhärtet sich die Situation häufig weiter.
Ablösung oder Krise? Woran Sie den Unterschied erkennen
Jugendliche stehen heute unter erheblichem psychischem Druck. Leistungsanforderungen, soziale Medien, Zukunftssorgen und ein oft fragiles Selbstwertgefühl belasten viele junge Menschen zusätzlich. Die Grenze zwischen normaler Abgrenzung und seelischer Überforderung ist deshalb nicht immer leicht zu ziehen. Einige Anhaltspunkte helfen bei der Einordnung.
Zur normalen Ablösung gehört, dass Jugendliche sich von den Eltern abgrenzen, ihre Freundschaften, Interessen und ihren Alltag aber weiter pflegen. Aufmerksam sollten Sie werden, wenn mehrere der folgenden Punkte über längere Zeit zusammenkommen:
- Ihr Kind zieht sich auch von Freunden und bisherigen Interessen zurück.
- Schlaf oder Essverhalten verändern sich deutlich.
- Die Stimmung bleibt über Wochen gedrückt oder gereizt.
- Die schulischen oder beruflichen Leistungen brechen stark ein.
Wenn Ihr Kind äußert, dass das Leben keinen Sinn mehr habe, oder Sie Hinweise auf selbstverletzendes Verhalten bemerken, holen Sie sich bitte zeitnah professionelle Unterstützung. In solchen Fällen ist Psychotherapie der richtige Weg, nicht Elterncoaching. Gerne kläre ich mit Ihnen im Erstgespräch, welche Form der Begleitung zu Ihrer Situation passt.
Warum mehr Reden oft nicht weiterhilft
Die meisten Eltern haben längst alles versucht, bevor sie sich Unterstützung holen. Sie erklären, fragen nach, machen Angebote, geben Raum, setzen Grenzen. Manchmal alles in derselben Woche. Was bleibt, ist häufig das Gefühl, nur noch falsch handeln zu können.
Das liegt selten am fehlenden Bemühen. In vielen Familien hat sich eine Dynamik entwickelt, in der jede Reaktion die nächste auslöst: Sorge führt zu Kontrolle, Kontrolle zu Rückzug, Rückzug zu noch mehr Sorge. Innerhalb dieses Kreislaufs helfen bessere Argumente nicht weiter, weil sie Teil des Musters bleiben. Veränderung beginnt an einer anderen Stelle: bei der eigenen Haltung.
Elterliche Präsenz: eine Haltung, die Beziehung trägt
In meiner Arbeit mit Eltern orientiere ich mich an der Neuen Elternpräsenz nach Haim Omer. Der Kern lässt sich einfach beschreiben: Eltern gewinnen ihre Wirksamkeit durch verlässliche, ruhige Anwesenheit in der Beziehung zurück. Kontrolle und Nachgeben führen beide daran vorbei.
Elterliche Präsenz bedeutet, sich selbst regulieren zu können, auch wenn das eigene Kind provoziert oder in Not ist. Sie bedeutet, Orientierung zu geben, ohne einzuengen, und verbunden zu bleiben, ohne die Entwicklung des Kindes zu bremsen. Diese Haltung entsteht aus innerer Klarheit. Und genau daran lässt sich arbeiten.
Das Bemerkenswerte daran: Die Beziehung verändert sich häufig, ohne dass das Kind selbst an einer Beratung teilnimmt. Wenn Mutter oder Vater wieder aus innerer Sicherheit heraus handeln, verändert sich die Atmosphäre zu Hause. Gespräche werden wieder möglich. Nähe kann zurückkehren.
Wie Elterncoaching Sie dabei unterstützt
Im Elterncoaching geht es weder darum, Ihr Kind zu verändern, noch darum, Ihnen fertige Rezepte mitzugeben. Sie bekommen einen Raum, in dem Sie Ihre Situation sortieren können. Gedanken werden klarer, Gefühle verständlicher, Zusammenhänge sichtbar. Von dort aus entwickeln wir gemeinsam konkrete Schritte, die zu Ihnen und Ihrer Familie passen.
In meiner Praxis in München-Schwabing begleite ich Mütter und Väter in herausfordernden Familienphasen, vor Ort, per Video oder hybrid. Zu Beginn arbeiten wir wöchentlich, im weiteren Verlauf im zweiwöchigen Rhythmus. Rechnen Sie mit etwa drei bis sechs Monaten.
Denn tragfähige Beziehungen entstehen nicht durch Perfektion. Sie entstehen dort, wo Menschen einander wieder begegnen können.
Häufige Fragen von Eltern
Muss mein Kind am Elterncoaching teilnehmen?
Nein. Elterncoaching arbeitet mit Ihnen als Mutter oder Vater. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Beziehung zum Kind bereits verändert, wenn sich die elterliche Haltung verändert.
Woher weiß ich, ob mein Kind eine Psychotherapie braucht?
Wenn Ihr Kind über längere Zeit psychische Symptome zeigt, etwa anhaltende Niedergeschlagenheit, starke Ängste, ein auffälliges Essverhalten oder sozialen Rückzug auch von Freunden, ist eine psychotherapeutische Abklärung sinnvoll. Ich biete in meiner Praxis Psychotherapie für junge Frauen zwischen 17 und 20 Jahren an und bespreche mit Ihnen offen, welcher Weg passt.
Was ist die Neue Elternpräsenz nach Haim Omer?
Ein Ansatz des israelischen Psychologen Haim Omer, der elterliche Stärke als verlässliche, gewaltfreie Anwesenheit in der Beziehung versteht, nicht als Macht über das Kind. Eltern lernen, ruhig und beharrlich für ihre Werte einzustehen und gleichzeitig in Kontakt zu bleiben.
Wie läuft das Elterncoaching ab?
Im Erstgespräch schildern Sie mir Ihre Situation, und wir klären, ob Coaching für Ihr Anliegen passend ist. Danach arbeiten wir zunächst wöchentlich, später zweiwöchentlich, über etwa drei bis sechs Monate. Termine sind vor Ort in München-Schwabing oder per Video möglich.